Die aus Amerika?

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Lange Nacht der Religionen 2013

English Berlin ist immer für eine Überraschung gut. Das merkte, wer sich am letzten Samstag bei der Langen Nacht der Religionen auf den Weg machte, um den Berliner Quäkern einen Besuch abzustatten. Man musste sich den Weg durch einen spontan vor dem Haus aufgebauten Filmdreh bahnen.

Der Filmdreh hatte nichts mit den Quäkern zu tun. Trotzdem ist das Bild von Quäkern für viele in Deutschland von Filmen -genauer von US-Westernfilmen- geprägt, in denen einfach gekleidete Fromme auftauchen. So war es kein Wunder, dass die erste Frage vieler der knapp 80 Gäste bei der Langen Nacht der Religionen „Sie kommen doch aus Amerika?“ lautete. Dass die Wurzeln der Religiösen Gesellschaft der Freunde in England liegen, lies sich schnell aufklären. Überraschend war für viele Besucherinnen und Besucher, dass schon vor über 300 Jahren kleine Quäker-Gruppen auch in Deutschland bestanden, die jedoch nach Amerika auswanderten.

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Gespräche und Überraschungen

Im Flur der Räume in der Planckstraße 20 wurden die traditionellen Quäker-Prinzipien Einfachheit, Gleichheit, Wahrheit und Frieden vorgestellt. Die Gäste waren eingeladen, ihre eigenen Gedanken und Erfahrungen zu diesen Werten auf eine der Wandtafeln zu schreiben. Ein „Quäker-Quiz“ brachte für viele Besucherinnen und Besucher weitere Überraschungen: dass die britischen und US-amerikanischen Quäker für ihre Hilfstätigkeit den Friedensnobelpreis 1947 erhalten haben oder dass es in der Religiösen Gesellschaft der Freunde keine Priester oder Prediger und keine Glaubensbekenntnisse gibt.

Und noch ein Missverständnis konnte in den vielen interessanten Gesprächen bei der Langen Nacht der Religionen schnell ausgeräumt werden: Die Quäker bemühen sich um ein einfaches Leben, aber sie leben nicht im Gestern. Trotzdem werden sie gerne mit den aus den USA bekannten Amish-People verwechselt, die noch heute auf Strom und moderne Technik verzichten. Die aus Amerika? Auch hier Fehlanzeige, denn die Wurzeln der Amish liegen ebenfalls nicht in Amerika, sondern in Deutschland und der Schweiz.