Wenn es ein größeres Wunder als das Meer gibt …

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Altocumulus lenticularis während des Stille-Retreats in Imshausen

… dann ist es der Himmel. Bezeichnungen wie Cumulus-Wolken oder Cirren sind jedem ein Begriff, aber woher stammen diese Worte? Sie gehen auf den englischen Quäker Luke Howard (1772 – 1864) zurück. 1803 veröffentlichte er in seiner Schrift „Über die Veränderungen der Wolken“ eine Systematik der Wolkenformen. Nach ihr werden die Wolken analog zur Pflanzen- oder Tierwelt in Familien, Gattungen, Arten und Unterarten eingeteilt und zur besseren internationalen Verständigung lateinisch benannt.

Damals wurde diese Systematik mit großer Einhelligkeit in der Fachwelt begrüßt. In Deutschland sorgte Goethe mit seiner Schrift „Wolkengestalt nach Howard“ (1817) für ihre Verbreitung. Der heute für alle amtlichen Wetterdienste weltweit verbindliche „Internationale Wolkenatlas“ geht auf das System der Wolkenformen nach Howard zurück. In einem weltumspannenden Netz von über 10.000 Wetterstationen werden jeden Tag und zu jeder Stunde die Wolken nach diesem System beobachtet, das vor über 200 Jahren entwickelt worden ist.

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Cirrus uncinus

Howard arbeitete als pharmazeutischer Unternehmer und beschäftigte sich in seiner Freizeit mit Botanik und Meteorologie. Darüber hinaus engagierte er sich auch für soziale Projekte. So trat er für die Bekämpfung der Sklaverei ein und organisierte Unterstützung für die unter der napoleonischen Fremdherrschaft Leidenden. Dafür wurde er geschäftsführender Sekretär eines Londoner Hilfskomitees. Als Dank für diese Hilfsarbeit wurde ihm 1815 die Magdeburger Ehrenbürgerschaft verliehen. Trotz seiner vielseitigen Interessen gestand er im Briefwechsel mit Goethe, dass die Meteorologie seine größte Leidenschaft sei.